St. Johannis Soltau (ev.-luth.)

Die ÖKUMENISCHE FILMREIHE KINO-und KIRCHE macht Pause!

Im Herbst geht sie - auch in Soltau - weiter. Die Filmauswahl in Schwerte brachte folgendes Ergebnis:

Three billboards outside Ebbing, Missouri
Das schweigende Klassenzimmer
Körper und Seele
In den Gängen
Eldorado
Die göttliche Ordnung
Maria Magdalena ( evtl. als  Ersatzfilm  Das Ende ist erst der Anfang)
Lucky

Kirchen und Kino. Der Filmtipp 2018/2019

Film 1

Three Billboards Outside Ebbing, Missouri

Eine über den Mord an ihrer Tochter verbitterte Frau klagt den örtlichen Polizeichef auf drei großen Werbetafeln der Untätigkeit an, was in der Kleinstadt für Aufruhr sorgt und in einen erbitterten Kleinkrieg mündet. Eine meisterliche Mischung aus Rachethriller, Drama und lakonischer Komödie, in der die eskalierenden Konflikte mit schwarzem Humor und einigen Gewaltspitzen entfaltet werden. In dem Maße, wie die Hintergründe der Figuren deutlicher werden, wandelt sich der Film aber zum berührenden Drama, in dem es weniger um Rache als darum geht, untereinander und für sich selbst so etwas wie Gnade walten zu lassen.

USA 2017, Regie: Martin McDonagh, Länge: 115 Min., Film des Monats – Februar 2018

 

Film 2

Das schweigende Klassenzimmer

Im Oktober 1956 erfahren zwei Abiturienten aus Eisenhüttenstadt bei einem Besuch in Westberlin von den Unruhen in Ungarn. Als der Aufstand blutig niedergeschlagen wird, organisieren sie eine Schweigeminute in ihrer Klasse, was massive Repressionen der DDR-Behörden nach sich zieht. Das mit viel Feingefühl inszenierte Drama konzentriert sich auf die Gewissensnot der Jugendlichen, die den Namen der Rädelsführer verraten sollen, wenn sie zum Abitur und zum Studium zugelassen werden wollen. Ihre Figuren sind als komplexe Charaktere angelegt, was ihr moralisches Dilemma umso glaubwürdiger und die Fragen nach Integrität, Haltung und Widerstand als zeitlose Themen ansichtig macht.

Deutschland 2017, Regie: Lars Kraume, Länge: 111 Min.Kinotipp der katholischen Filmkritik 355/März 2018

 

Film 3

Körper und Seele

Der introvertierte Finanzdirektor eines ungarischen Schlachthofs und eine autistisch erscheinende Qualitätsprüferin erfahren durch Zufall, dass sie identische Träume haben, in denen sie als Hirsche durch einen friedlichen Wald wandeln. Die Erkenntnis führt die beiden dazu, sich auch im Leben aufeinander zuzubewegen. Während der ältere Mann verdrängte Gefühlsregungen wachrufen muss, bemüht sich die Frau, dem ihr unbekannten Phänomen der Liebe mit akribischem Studium gerecht zu werden. Eine subtil entwickelte Romanze in fein komponierten Bildern, die mit großer inszenatorischer Meisterschaft und hervorragenden Darstellern von einer allmählich wachsenden Leidenschaft erzählt. Voller bezaubernder Details spürt der Film dem Wesen der Liebe nach, wobei sich surreale Momente, skurriler Humor und einfühlsame Beobachtungen die Waage halten.

Ungarn 2017, Regie: Ildikó Enyedi, Länge: 116 Min., Kinotipp der katholischen Filmkritik 345/September 2017


Film 4

In den Gängen

Ein junger Mann fängt nach seiner Entlassung aus dem Knast als Mitarbeiter in einem Großmarkt an, wo er sich schnell eingewöhnt, weil ihn ein älterer Kollege unter die Fittiche nimmt und er sich überdies in eine Angestellte verliebt. Der leise, feinsinnige Film entfaltet eine subtile Liebesgeschichte mit großem atmosphärischem Zauber, ausgefeilten Alltagsdialogen und einem großen Augenmerk auf die scheinbar banale Arbeitswelt. Ästhetisch knüpft die Inszenierung an eine (post-)sozialistische Kunstauffassung an, die Hochkultur und Arbeiterklasse versöhnen wollte. In seiner sublimen Ästhetik und Dezenz hebt sich der stille, hervorragend besetzte Film wohltuend ab.

Deutschland 2018, Regie: Thomas Stuber, Länge: 125 Min., Film des Monats – Mai 2018

 

Film 5

Eldorado

Der Schweizer Filmemacher Markus Imhoof erinnert sich angesichts der im Mittelmeer ertrinkenden Flüchtlinge an seine eigene Kindheit, als nach dem Krieg eine junge Italienerin aus dem ausgebombten Mailand in seiner Familie Unterschlupf fand. Der essayistische Film verbindet persönliche Reflexionen, Briefe und andere Dokumente mit bedrängenden Gegenwartsbildern sowie investigativen Recherchen, die dem zynischen Kreislauf der Ausbeutung illegaler Migranten auf die Spur kommen. Durch den unmittelbaren emotionalen Zugang verdichtet sich der Film zum eindringlichen, zutiefst humanistischen Appell an die Verantwortung der Menschen füreinander.

Schweiz/Deutschland 2018, Regie: Markus Imhoof, Länge: 95 Min., Kinotipp der katholischen Filmkritik 359/April 2018


Film 6

Die göttliche Ordnung

Anfang der 1970er-Jahre wandelt sich eine Hausfrau aus einem Dorf im Appenzellischen unter dem Einfluss der Debatte um das Frauenwahlrecht in der Schweiz zur sanften Streiterin für die Sache. Doch ihr öffentliches Engagement sorgt sowohl im Dorf als auch in ihrer Ehe für Spannungen. Hintersinnige Tragikomödie, die auf authentischen Erlebnissen beruht, was sich in der stimmungsvollen Verdichtung von Geist und Atmosphäre der damaligen Zeit manifestiert. Die erfrischende, ausgesprochen unterhaltsame Lektion in Sachen direkter Demokratie erzählt nebenbei die Geschichte der sexuellen Revolution in der Schweiz.

 CH 2017, Regie: Petra Volpe, Länge: 96 Min., Kinotipp der katholischen Filmkritik 342/August 2017

 

Film 7

Maria Magdalena

Der Bibelfilm erzählt die Geschichte der Maria Magdalena, die aus einer tiefen Gotteserfahrung heraus eine Berufung erlebt und als Zeugin Jesu die Botschaft der Auferstehung verbreitet. Ästhetisch bleibt der eindrucksvolle Film zwar den konventionellen Darstellungsformen des Bibelfilms verhaftet, doch es gelingt der Inszenierung und den überzeugenden Hauptdarstellern, einen frischen Zugang auf das Evangelium zu eröffnen. Dabei rückt die Frage nach dem Reich Gottes in den Mittelpunkt, das nicht in einer politischen Revolution Gestalt gewinnt, sondern in den Herzen der Menschen.

GB 2018, Regie: Garth Davis Länge: 120 Min. Kinotipp der katholischen Filmkritik 356/März 2018

 

Alternativfilm für Film Nr. 7 – falls sich aufgrund der Verleihkonditionen (UPI) keine Möglichkeit der Vorführung von „Maria Magdalena“ an allen Spielorten realisieren lässt

Das Ende ist erst der Anfang

Zwei gealterte Rocker sollen für ihren Boss ein Handy wiederbeschaffen, das ein junges Streuner-Paar mitgehen ließ. Dabei treffen sie in einer unwirtlichen Gegend auf feindselige Provinzler, werden aber durch unerwartete Begegnungen auch auf neue Bahnen gelenkt. Das verfolgte Paar erhält derweil unverhoffte Hilfe, als ihm Jesus erscheint. Eine brillant inszenierte, von warmherzig gezeichneten Figuren lebende Tragikomödie, die souverän Road Movie und Western zitiert und mühelos den Bogen zwischen schwarzem Humor und existenziellem Drama schlägt. Zugleich plädiert der Film unaufdringlich für die Notwendigkeit gegenseitiger Anteilnahme.

Belgien/Frankreich 2015 Regie: Bouli Lanners Länge: 97 Min. Kinotipp der katholischen Filmkritik 336/Mai 2017


Film 8

Lucky

Vignetten aus dem Leben eines alten Mannes in der Wüste von Arizona, die sich zu einem bewegenden Porträt eines Menschen verdichten, der es gelernt hat, mit der Einsamkeit und dem Bewusstsein der Sterblichkeit umzugehen. Ein gänzlich unpathetischer, zu den Wurzeln der Existenz vordringender wortkarger Film, in dem die Furcht vor dem Tod der gelassenen Akzeptanz täglicher Rituale weicht.

USA 2017 Regie: John Carroll Lynch Länge: 88 Min. Film des Monats – März 2018 Film des Monats (CH) – Januar 2018

.